Die Zukunft der Altmark als großer Energieexporteur?

Die Bürgerinitiative (BI) gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg sieht die Altmark im Jahr 2030 als großen Energieexporteur. In knapp 20 Jahren, so das auf einer Podiumsdiskussion der Grünen vorgestellte Energiekonzept der BI, soll die Region 5,5 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Ressourcen und damit das Vierfache des eigenen Verbrauchs produzieren.

Stendal. Sie sind durchaus nicht nur eine Dagegen-Initiative, sondern sehr vehement auch dafür – nämlich für eine saubere Umwelt und die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Das machte BI-Mitstreiter Dr. Winfried Schülke deutlich, als er am Freitagabend in einer Podiumsdiskussion der Bündnisgrünen im Stendaler Theatercafé das Energiekonzept des Bürgerbündnisses vorstellte.

5,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom – und damit viermal mehr, als die Altmärker selbst benötigen – soll die Region nach den Vorstellungen von Schülke im Jahr 2030 produzieren. Der Weg zum großen Energieexporteur sei bis dahin zu schaffen, meinte er. Schon 2009 hätten die beiden Altmarkkreise 30 Prozent mehr Strom erzeugt als selbst verbraucht. Das Konzept der BI stützt sich im Wesentlichen auf die vier erneuerbaren Energieträger Biomasse, Wind, Sonne und Erdwärme.

1. Biomasse:

Durch den Bau von drei bis fünf Biogasraffinerien soll die Energieerzeugung von 1055 Millionen kWh im Jahr 2010 auf 1716 Millionen kWh 2030 steigen. Mindestens 70 Prozent des Substratverbrauchs, erklärte Schülke, müssten Biomasseabfälle wie Gülle, Straßenrandschnitt oder Schlachtabfälle sein. Logistisches Problem dabei: Diese Abfälle müssen den Erzeugern zugeführt werden.

2. Windenergie:

Dieses größte Standbein der erneuerbaren Energieerzeugung will die BI weiter stark ausbauen. Die Ausbeute soll von 970 Millionen auf 3150 Millionen kWh anwachsen. Dabei, so betonte Winfried Schülke, gehe es nicht um mehr Windmühlen in der Landschaft, sondern eher um weniger, aber wesentlich leistungsfähigere Anlagen als heute.

3. Photovoltaik:

Bei der Nutzung der Sonnenenergie sieht Schülke das größte Steigerungspotenzial der Region. Statt 10 Millionen könnte die Altmark in knapp 20 Jahren 250 Millionen kWh Solarstrom jährlich gewinnen. Er setzt vor allem auf die vielen noch ungenutzten Dachflächen in der Region.

4. Tiefe Geothermie:

Die derzeit in der Altmark noch gar nicht ins Gewicht fallende Energieerzeugung aus Erdwärme könnte nach dem Willen der BI 2030 etwa 400 Millionen kWh Strom bringen.

Die Gesamtinvestitionen für die Umsetzung dieses erneuerbaren Energiekonzepts beziffert Winfried Schülke mit 4,4 Milliarden Euro im Vergleich zu 2,2 Milliarden Euro für ein Kohlekraftwerk, wie es bei Arneburg geplant ist. Im Gegensatz zu den RWE-Plänen würde die Wertschöpfung beim BI-Konzept seiner Meinung nach jedoch weitgehend in der Region bleiben.

Die Vorstellung des BI-Konzepts war Bestandteil eines Diskussionsabends „Grüne Energie in Ostdeutschland“ im Zuge der Sommertour von Bundes- und Landtagsabgeordneten der Bündnisgrünen am Freitagabend in Stendal. Zum Auftakt wurde der Film „Neue Energie in Bürgerhand“ gezeigt. Am Beispiel von drei kleinen ländlichen Gemeinden – darunter Dardesheim in Sachsen-Anhalt – führte er vor Augen, wie Gemeindevertreter und Bewohner die Energieerzeugung nach und nach weitgehend in die eigenen Hände übernehmen können.

 

Bild: Im Podium im Stendaler Theatercafé (von links): Cornelia Behm (Bundestag), Oliver Wendenkampf (BUND), Sebastian Kunze (Städte- und Gemeindebund), Dorothea Frederking (Landtag), Prof. Dr. Jürgen Rochlitz (BI gegen Steinkohlekraftwerk), Stephan Kühn (Bundestag).

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