Anti-Militär-Camp in der Altmark: Ist das noch friedlicher Protest?

Zur Zeit findet bei Potzehne wieder das War-Starts-Here-Camp gegen das Gefechtsübungszentrum des Heeres statt, deren Veranstalter offen für eine Besetzung des Militärgeländes und eine unbefugte „Verschönerung“ – also Sachbeschädigung – auf dem Gelände werben. Ich habe meine persönliche Haltung zu diesen Protesten in den letzen zwei Jahren komplett geändert.

Vor zwei Jahren warb ich für mehr Verständnis gegenüber zivilem Ungehorsam in Zusammenhang mit dem Protest gegen das Gefechtsübungszentrum, da eine bewusste Grenzüberscheitung, wie eine z.B. eine Sitzblockade ein legitimes Mittel des Protestes ist. Bereits zu dieser Zeit kam es jedoch schon zu Beschädigungen auf dem Militärgelände.

Im letzten Jahr wurde das Gelände mit pinker Farbe verunstaltet. Darunter war auch ein Baufahrzeug meines Vaters, dessen Arbeitgeber für Arbeiten auf dem Gelände einen Auftrag erhalten hatte. Und in Potzehne wurde das Schwimmbad verunstaltet. Die Schäden unter denen Unbeteiligte zu leiden haben, nehmen stetig zu und die ach so friedlichen Militärgegner scheinen das billigend in Kauf zu nehmen. Diese Haltung und Aktionen habe ich im letzten Jahr bereits scharf kritisiert.

Und dieses Jahr? Das Freibad in Potzehne war bereits vor dem Camp verunstaltet worden. Erneut wird zu Sachbeschädigung und Betreten der militärischen Sperrzone aufgerufen. Was soll dieses Jahr alles passieren? Der normale Bürger wird wieder in Mitleidenschaft gezogen werden. Und das wirklich friedliche Engagement ansässiger Friedens- und Umwelt-Aktivisten aus Altmark und Börde, die eine offene Heide und die Rückkehr zum Heidekompromiss von 1997 fordern, den die damalige stellvertretende Ministerpräsidentin von Sachsen-Anhalt, Grünen-Politikerin Heidrum Heidecke verhandelt hat, wird in Verruf gebracht.

Wer unter dem Deckmantel des zivilen Ungehorsams zu rechtliche Grenzüberschreitungen aufruft und Eigentum beschädigt, handelt nicht gewaltfrei. Die angereisten Militärgegner handeln nicht friedlich. Ihre Guerilla-Methoden sind nicht gewaltfrei.

Gewaltfreiheit schließt prinzipiell und absolut verletzende und tötende Gewalt gegen Menschen aus. Dies gilt im Normalfall ebenfalls für Gewalt gegen Sachen. Jedes Zerstören von Eigentum widerspricht der Idee der Gewaltfreiheit. Man kann Unfälle in diesem Zusammenhang nie gänzlich ausschließen, so daß die Gefahr besteht, dass dadurch Menschen zu Schaden kommen.

Die Bundeswehr ist der falsche Ansprechpartner für den Protest. Wir haben eine Parlaments-Armee, die von unseren Vertretern im Bundestag in Krisenregionen geschickt wird. Wenn man das nicht möchte, was ich verstehen kann, muss man vor dem Reichstag protestieren und nicht in unserer Altmark.

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