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Autonomes Zentrum in Salzwedel – vermitteln statt verbieten!

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Zur „Nutzungsuntersagungsverfügung mit sofortiger Vollziehung“ des Altmarkkreis Salzwedel an den Eigentümer des Hauses Altperverstraße 32 in Salzwedel, in dem sich das Autonome Zentrum befindet, erklärt Christian Franke, Pressesprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Altmarkkreis Salzwedel:

 „Autonome Zentren sind selbstverwaltete und unabhängige kulturelle und soziopolitische Institutionen. Sie unterscheiden sich somit von staatlichen und städtischen Einrichtungen. Genau diese Eigenschaft bedarf einen sachgerechten Umgang, wenn man dieses Refugium bewahren möchte. Stadt und Landkreis hätten hier mit Bedacht handeln müssen, aber stattdessen hat der Amtsschimmel zugeschlagen.

Hier wird kurzer Prozess mit einem Projekt gemacht, welches davon lebt, dass sich Menschen einbringen, die unsere Gesellschaft verändern wollen. Im Autonomen Zentrum wird Bürgerengagement gelebt und ein wichtiger Beitrag für eine kritische und mündige Bürgergesellschaft geleistet. Die vornehmlich jungen  Menschen wollen sich beteiligen und etwas bewegen.

Dieses Engagement muss gefördert und nicht untergraben werden. Die Verwaltungen benehmen sich wie ein Elefant im Porzellanladen, indem sie diesen wichtigen Bestandteil der Salzwedeler Jugendszene den Garaus machen.

Neben aller berechtigter Kritik und Änderungen, die es bedarf um eine friedlichen Nachbarschaft zu gewährleisten, bin ich über die aktuelle Entwicklung sehr bestürzt und reagiere auf die Handlungen von Stadt und Kreis mit größtem Unverständnis.

Der „Vereins für Kultur und Courage“ (KuCo), der das Autonome Zentrum betreibt, hat einen Runden Tisch angeregt, um die Probleme konstruktiv mit allen Beteiligten anzugehen. Anstatt darauf einzugehen und zu vermitteln, wird kurzer Prozess gemacht.

Gute Nachbarschaft ist mehr als den anderen in Ruhe zu lassen. Nachbarschaft in ein Prozess, ein gesellschaftlicher Diskurs des konstruktiven Zusammenlebens. Diesen Weg wollte das AZ gehen.

Es hätte mehr Sensibilität und Verständnis geben müssen, von Akzeptanz ganz zu schweigen. Dabei geht es auch nicht um Politik. Ich habe viele andere Sichtweisen und Meinungen, als viele Gäste des AZs, aber hier heißt es sich inhaltlich zu reiben und einen Raum dafür zu schaffen.

Wenn ich mir anschaue, welche gewaltbereite rechtsextreme Nazi-Szene wir in der Altmark haben, frage ich mich ernsthaft, wie man von Verwaltungsseite zu dem Entschluss gekommen ist, einen Rückzugsraum für Antifaschisten zu bekämpfen. Konstruktiv ist das nicht.“

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