Die Ambivalenz der CO²-Endlagerung in der Altmark

Ich fordere von allen politischen Entscheidungsträgern ein klares „Nein“ zu CCS!

Zu aller erst möchte ich mich für das rege Interesse der Bürgerinnen und Bürger, welche in hoher Anzahl zur CCS-Diskussion des Salzwedeler Jugendstadtrats erschienen sind, bedanken. Die Diskussion hat es geschafft, der Debatte über die CCS-Technologie in Altmarkkreis neuen Schwung zu verleihen und ich gehe fest davon aus, dass wir Jugendstadträte mit unserer Positionierung zu CCS die Debatte weiter anheizen werden. Im Folgenden gebe ich meine persönliche Meinung kund.

Ich spreche in Bezug auf CCS von einer Ambivalenz, bei der Schwerter zu Pflugscharren umgeschmiedet werden. Dieser biblische Vergleich meint nichts anderes, als dass die Verpressung des Gases CO², welches maßgeblich zur Klimaerwärmung beiträgt, von Energiekonzernen als Segen verkauft wird, um die altmärkischen Erdgasfelder leer zu fördern. Das CO² soll dabei vor allem aus den Abgasen der Zement- und Stahlindustrie und in besonderem Maße auch aus Kohlekraftwerken, welche erst noch gebaut werden müssten, abgeschieden werden, da eine Nachrüstung unökonomisch wäre.

Im Verhältnis zu CCS-Kraftwerken schneiden vergleichbare Großanlagen aus dem Bereich Erneuerbare Energien (z.B. solarthermische Kraftwerke, Offshore-Windenergieanlagen), über die gesamte Prozesskette betrachtet, in allen Wirkungskategorien deutlich besser ab. Bezieht man fortschrittliche Kraftwerkskonzepte basierend auf fossilen Energien mit ein, so liegen mit Erdgas-GuD (mit Wärmeauskopplung) und BHKW bereits auf dem Markt befindliche Technologien vor, die schon jetzt so umweltfreundlich sind, wie es mit den CCS-Kraftwerken in 2020 erreicht werden soll.

Dabei ist die Abscheidung von CO² aus Industrieanlagen und Kohlekraftwerken sehr aufwändig und verschlingt Unmengen an Energie, was z. B. einen Wirkungsgradverlust von bis zu 15 Prozent bei Kohlekraftwerken und einen um 40 Prozent erhöhten Rohstoffeinsatz von Kohle zur Folge hat. Das halte ich für hoch unwirtschaftlich, gerade wenn man bedenkt, dass Verflüssigung, Transport und Verpressung zu Endlagerung ebenfalls erhebliche Mengen an Energie verschlingen und ein enormes Gefahrenpotential bergen, falls es zu einer Leckage kommen sollte.

Setzt man in den nächsten 10 bis 15 Jahren politisch konsequent auf erneuerbare Energien und Effizienzsteigerungen, können die Umsetzung der Energieeinsparpotenziale und der sukzessive weitere Ausbau erneuerbarer Energien deutlich schneller Beiträge zum Klimaschutz leisten als CCS. Speziell die Erhöhung der Energieproduktivität ist darüber hinaus volkswirtschaftlich unmittelbar sinnvoll. Beide Strategieelemente sind zudem mit hohen Innovationsimpulsen für das Erschließen der wachsenden globalen Märkte verbunden. Deutliche Effizienzsteigerungen und der weitere Ausbau erneuerbarer Energien sind vor diesem Hintergrund eine unbedingte Voraussetzung für einen wirksamen Klimaschutz. Hält man gemäß den Vorstellungen des Szenarios NaturschutzPlus (NATP) eine dauerhaft hohe Umsetzungsrate aufrecht, ist der Einsatz von CCS-Technologien für das Erfüllen auch engagierter Klimaschutzziele nicht zwingend erforderlich.

Neben der Überflüssigkeit dieser Technologie, die für sich schon gegen die riskante Erprobung in der Altmark spricht, gibt es eben nicht zu unterschätzende Gefahren. Entlang der gesamten CCS-Prozesskette besteht die Möglichkeit, dass CO² entweicht – mit negativen Auswirkungen sowohl für die lokale Umwelt als auch für das Klima. Das CO² in unserer Luft ist durch eine geringe Konzentration von 0,04 Prozent ungiftig, doch bei einer Leckage durch einen Unfall des LKW, der das verflüssigte CO² transportiert, oder einem Austritt aus dem Boden, ruft eine Konzentration von 5 Prozent Schwindel und Übelkeit hervor und eine Konzentration von 8 Prozent führt innerhalb einer Stunde zum Tod durch Ersticken. Das wäre ein GAU, ein größter anzunehmender Unfall.

Bei den Bedenken handelt es sich nicht nur um Befürchtungen die bestimmte Politiker und Parteien hegen, sondern um durch den Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung des Bundestages und Studien, wie die RECCS-Studie, vorgebrachte Bedenken.

Mein Fazit: CCS ist eine Risikostrategie, die bei unseren Bürgerinnen und Bürgern nicht auf Akzeptanz stößt und eine Gefahr ist, die wir niemandem aussetzen sollten. Wer sich für CCS entscheidet, weil er Gewerbesteuereinnahmen mitnehmen will, sollte noch einmal in sich gehen und überlegen, was ihm wichtiger ist. – Der Bürger, oder das Geld? – Mir eindeutig der Bürger und dessen Bedenken!

Kurzum: Wir dürfen nicht den Fehler machen und Symptomkosmetik betreiben, indem wir CO² im Boden endlagern. Wir müssen Ursachenbekämpfung betreiben, indem wir auf Energieeinsparung, Effizienzsteigerungen bei den erneuerbaren Technologien und eine Verminderung der CO²-Produktion setzen. Das so schnell wie möglich und ohne Brückentechnologien, die Investitionskapital verschlingen, das für regenerative Energietechnologien dann nicht mehr zur Verfügung steht. So erreichen wir einen schnelleren Beitrag zum Klimaschutz, als es mit CCS möglich ist.

Ich fordere von allen kommunalpolitischen Entscheidungsträgern ein klares „Nein“ zu CCS!

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