„La Cage Aux Folles“ … oder „Wie mensch die Heteronormativität überwindet“

Am Freitag Abend war ich im Theater der Altmark in Stendal zur Aufführung des Musicals „La Cage Aux Folles – Ein Käfig voller Narren„. Mein bester Freund Nico begleitete mich. Nun könnte man diesen Satz fortführen mit „obwohl er es schon gesehen hatte“, doch nachdem ich es sah, würde ich ihn eher mit „gerade weil er es schon gesehen hatte“ näher erläutern. Ich finde dieses Stück phänomenal, nicht nur, weil die Inszenierung besonders gelungen war, sondern auch, weil das Selbstbekenntnis: „Ich bin was ich bin. Ich will kein Lob. Ich will kein Mitleid. Ich lebe für mich, will meine Freiheit“ dazu aufruft jeden Menschen so zu nehmen wie er ist.

Der Song „Ich bin was ich bin“ aus dem Musical „La Cage Aux Folles“ ist nur einen Klick entfernt.

So kann es auch nicht darum gehen sich heteronormativen Geschlechtsvorstellungen anzupassen. Die Kunst der Travestie schafft es die festgefahrenen Geschlechtergrenzen zu überwinden und die Mauern in den Köpfen zu Fall zu bringen, sie zeigt uns, dass unsere gesellschaftlichen Geschlechter nur Konstruktion sind: egal ob die feminine Hausfrau, oder der muskelbepackte Handwerker.  Jedem Menschen muss es möglich sein sich so zu verhalten, wie er es will und wie er sich fühlt (Natürlich unter dem Grundsatz, dass er keinem anderen dabei Schaden zufügt, aber das versteht dich von selbst.)

Also Junx, rein in die Kleider und den Kochlöffel geschwungen, wenn ihr euch dazu berufen fühlt!

Selten schafft es ein Stück mich solange zu bewegen und mitzunehmen. Das Gefühl noch Stunden nach der Aufführung über das ganze Gesicht zu strahlen und einen scheinbar nicht verschwinden wollenden und freudigen Gesichtsausdruck zu haben, bestärkt mich in dem Verlangen mir diese Stück noch einmal anzusehen. Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht.

Bis in den Sommer hinein wird „La Cage Aux Folles“ noch in der Altmark gespielt:

07.03.10, 18:00 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal
27.03.10, 19:30 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal
08.05.10, 19:30 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal
24.05.10, 18:00 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal
28.05.10, 19:30 Arnstadt
03.06.10, 19:30 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal
26.06.10, 19:30 Großes Haus im Theater der Altmark Stendal

Karten gibt es unter: http://www.tda-stendal.de/la_cage_aux_folles


Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein schwules Paar. Georges führt einen Nachtclub, das „La Cage aux Folles“. Albin ist in der Rolle der Diseuse Zaza der Star der allabendlichen Show, ein begnadeter, nicht mehr ganz junger Meister der Travestiekunst. Albin und Georges sind ein Liebespaar, das den gemeinsamen Alltag und die künstlerische Zusammenarbeit mit allen Höhen und Tiefen über 20 Jahre gemeistert hat und das gemeinsam Georges’ Sohn Jean-Michel – gezeugt von flüchtiger Neugierde – großgezogen hat. Nun wird ihre Beziehung auf die Probe gestellt: Jean-Michel will die Tochter des konservativen Politikers und Moralapostels Edouard Dindon heiraten. Die Familien sollen sich zur Verlobung kennen lernen. Während die Dindons bereits auf dem Weg sind, muss schnell eine richtige, eine „normale“ Familie her. Die beiden Schwulen mimen ein Hetero-Paar, Georges als Kulturattaché. Der beleidigte Albin fällt jedoch immer mehr aus der Rolle. Aber die Liebe triumphiert über alles. „Ein Käfig voller Narren“ war das erste Musical, das sich um schwule Themen drehte. Es gewann sechs Tony Awards und wurde 1761-mal am Broadway gespielt.

Pressestimmen:

Ein Käfig voller Vergrüngen
“Wer unbedarft in die Premiere von ‘La Cage aux Folles – Ein Käfig voller Narren’ kam, …mochte kaum glauben, in einem reinen Schauspieltheater zu sitzen…Hauptdarsteller und Orchester waren “ausgeliehene Gäste”, aber das gesamte übrige Ensemble rekrutierte sich aus Stendaler Akteuren und durfte nach dem gelungenen Premierenabend durchaus für sich in Anspruch nehmen, auch Musicaldarstellerensemble genannt zu werden, dank einer durchdachten Regie von Manfred Ohnoutka….Da trifft man auf Albin, Lebenskamerad von Georges, und Transvestit Zaza (Christian Venzke). Er lotet seine Rolle tief aus, steigert sie, als er für eine Nacht weichen soll, um Ziehsohn Jean-Michel Gelegenheit zu geben, die Familie seiner Freundin nicht zu schockieren, zum Höhepunkt. Hier gibt er zwischen Wut und Selbstbewusstsein sein großes Bekenntnis ab: “ich bin, was ich bin!” Ihm zur Seite Mathias Kusche…Hin und her gerissen zwischen Liebe zum Sohn und zum Partner, wächst auch er bekennend in seiner Rolle. Thorsten Kreissig hat als Choreograph ganze Arbeit geleistet, um dieses “Ballettensemble des Clubs auf Zeit” in Stendal zu formen und ansehenswerter Leistung zu bringen. Das gleiche gilt für Chordirektor Robert Grzywotz und Gero Wiest, der als Schauspielmusiker in Stendal die Kammersymphonie Berlin im Orchestergraben souverän leitete und das ganze musikalisch zusammen hielt. Bleiben Frederike Duggen und Jan Kittmann als junges Liebespaar zu nennen, deren Hauptattraktion das fast artistische Pas de deux zwischen klassischem Tanz und Rock ‘n’ Roll Akrobatik im Finale zu Beifall hinriss. Allen anderen Darstellern ist das Verdienst zuzurechnen, dass sie ganz im Sinne der Ensembleleistung ihr Bestes gaben, um diese Inszenierung zu einem echten Theaterhöhepunkt des zu Ende gehenden Jahres zu machen. Danke!
(Altmark-Zeitung 21.12.09)

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