Erfahrungsbericht: In Halle studieren und andernorts Politik machen? Aber klar!

Oh man, was für ein Wochenende. Dieses Wochenende war der Test dafür, ob es möglich ist in Halle (Saale) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu studieren und dennoch in der Altmark politisch aktiv zu sein. Das Fazit fällt positiv aus. Denn ja, es ist sogar sehr gut möglich. Dazu aber jetzt im einzelnen mehr.

Am Freitag habe ich nur bis 11.00 Uhr Termine an der Uni, sodass ich in der Wohnung noch mal alles aufräumen (ja das ist nötig) kann und am frühen Nachmittag von Halle nach Salzwedel fahren kann. So habe ich es auch diesen am letzten Freitag gemacht und kam am frühen Abend in Salzwedel an und hatte noch einwenig Zeit für meine Familie bevor ich um 20.00 Uhr eine Telefonkonferenz, im Rahmen der Vorstandstätigkeit bei der GRÜNEN JUGEND Sachsen-Anhalt, hatte. Das schöne an Telefonkonferenzen ist ja gerade, dass man sie von jedem Ort der Welt aus führen kann – vorausgesetzt man hat Empfang. 😉

Der Samstag begann einigermaßen stressig, da ich von Salzwedel nach Magdeburg zur Anti-Atom-Demo fahren wollte und dafür den Zug bereits um 9.02 Uhr bekommen musste. Nachdem das auch klappte konnte ich meinen Schlaf zum Glück im Zug nachholen – Ich kann übrigens super in Zügen schlafen. Dieses Schaukeln wiegt einen schön in den Schlaf.

Ich kam in Magdeburg an und die Demo ging los. Es spielte wieder diese schwarz-pink gekleidete Trommler-Gruppe ohne die bei den Demos wohl ein essentieller Teil und ein Stück Lebensfreude und -kraft fehlen würde. Viele Grüne waren wir nicht, aber ich fand es okay, denn es wahren viele nicht parteigebundene Demonstranten und Demonstrantinnen vor Ort. Und bilden nicht gerade diese Bürgerbewegungen und engagieren sich in ihrem Protestfeld am meisten? Ich denke schon und das ist auch zum Teil Ausdruck eines Wandels in der Gesellschaft – vom langfristigen hin zum kurzfristigen und zielgerichteten Engagement. Aber um diesen Wandel, den man nun bedauern oder auch begrüßen kann, soll es mir in diesem Beitrag erstmal nicht gehen.

Von Wirtschaftsministerium, über die Staatskanzlei und den Landtag ging der Protestzug zum Umweltministerium und sorgte für einiges an Aufsehen. Ich hatte meinen Spaß. Für uns Grüne sprach Dorothea Frederking über das Stilllegungsverfahren bei Morsleben und rief alle noch einmal auf Einwendungen gegen das Verfahren, bei dem nicht alle radioaktiven Abfälle geborgen werden sollen, zu schreiben. Und sie hat Recht, der ganze falsch gelagerte Müll muss wieder raus aus dem Berg.

In Magdeburg traf ich auch Theo von der GRÜNEN JUGEND Altmark – neben vielen anderen grünengagierten Menschen – mit dem ich dann die „Heimreise“ nach Salzwedel antrat, wo schon der nächste Termin auf mich wartete. Die Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager wollte einen Baum pflanzen.

Der Zug kam in Salzwedel an und ich lief zum Veranstaltungsort im Park hinter dem Salzwedeler Kulturzentrum. „Mist, der Baum steht schon“, sagte ich mir, denn als ich ankam war der Baum schon gepflanzt. Doch es war okay, dass ich später kam, schließlich kam ich ja gerade von einer Anti-Atom-Demo.

Ich wurde freudig begrüßt und wechselte mit den Verantwortlichen, die ich schon als gute Bekannte beschreiben würde, ein paar Worte und mir wurde eine Steintafel mit den Worten: „Hier guck mal, wir haben dich auch mit raufgeschrieben“, gezeigt. Das fandich wirklich klasse, denn ich habe über den Jugendstadtrat das Thema CO2-Endlager in Salzwedel auch persönlich ein Stück weit zu einer größeren Öffentlichkeit verholfen.

Mit diesen wirklich netten Menschen von der „CO2-BI“ ging es dann in den Eisen-Carl, wo bei Essen und Getränken in einer kleinen Feierstunde der Erfolge der Co2-BI gedacht wurde. Viele Engagierte waren vor Ort und auch der Landrat kam hinzu.

Der wichtige Prozess von der Beseitigung eines Problems hin zu einem langfristigen Engagement für die Region ist in der CO2-BI in vollem Gange und zu sehen, wie fließend und harmonisch dieser Übergang gerade verläuft erfüllt mich mit sehr viel Freunde und hat mir persönlich auch noch mehr Kraft im Kampf für eine Altmark gegeben, die ausschließlich durch regenerative Energien versorgt wird. Es hat sich sogar eine Firma gegründet, die Kommunen im Bereich Energieversorgung berät, wie mir ein junger Wirtschaftsingenieur bestätigte, welcher diese Firma mitgründete. Er ist ein Bespiel dafür wie junge Fachkräfte die Altmark als zukunftsfähige Region nutzen, sich einbringen und vor allem weiterentwickeln können. Diese Innovationen kommen allen Altmärkern und Altmärkerinnen zugute und sind – so finde ich zumindest – auch beispielgebend.

Ich war sehr lange da und führte lange Gespräche, vor allem mit dem jungen Wirtschaftsingenieur…

Sonntag, 8.30 Uhr – eine halbe Stunde später als am Samstag – klingelte mein Wecker und ich machte mich für einen neuen Höhepunkt dieses Wochenendes fertig – die Gorleben-Blockade der GRÜNEN JUGEND.

Halb 10 fuhren wir ins Wendland und waren auch pünktlich 10.00 Uhr am Salzstock in Gorleben. Gegen 11.00 Uhr (für grüne Verhältnisse quasi pünktlich) kamen die anderen hinzu und wir besetzten die Tore zum Bergwerk. Begleitet wurden wir dabei von vielen (freundlichen) Polizisten. Wären wir in Sachsen-Anhalt gewesen, wären sie wohl nicht so freundlich gewesen.

Martina, die grüne Kreisvorsitzende aus dem Wendland machte viele Fotos und war voller Freude. Gegen 16.00 Uhr mussten wir dann auch wieder los, da ich noch zu meinen Eltern wollte und halb 6 am Abend auch wieder nach Halle fuhr. Und, welch Überraschung, auch das funktionierte alles wunderbar.

Ich denke, damit ist der Beweis angetreten, dass man in Halle studieren und zur selben Zeit in der Altmark und darüber hinaus aktiv sein kann. Erschöpft war ich nach dem Wochenende übrigens nicht, denn die Freude über das Mitmischen, Sich-Einbringen und Dinge-Bewegen sorgte dafür, dass ich immer voller Energie war etwas zu tun und dieses Wochenende auch auszunutzen. Und hey, ich hatte auch immer gute Laune. 😉

 

 

 

Verwandte Artikel