Grüne haben Fahrbibliothek einen ganzen Tag begleitet

Er hat sich einen Tag Zeit genommen, um sich einen eigenen umfassenden Eindruck von der Arbeit der Fahrbibliothek zu machen. Dazu ist er vom frühen Morgen bis späten Abend mit am Bord gewesen und hat die Orte Kakerbeck, Winterfeld, Kahrstedt, Vietzen, Thüritz, Zethlingen, Cheinitz, Recklingen, Baars und Quadendambeck besucht.

In Kakerbeck besuchte der Kindergarten den Bus und bekam eine Buch vorgelesen. „Die kleinen Kinder waren begeistert von dem Angebot, dass der Bücherbus bereitgestellt hat. Die Kindereinrichtungen und viele Schulen sind auf das Angebot der Fahrbibliothek angewiesen und nehmen es gerne an. Lehrmittel und verschiedenste Kinderbücher, sowie Jugendliteratur können nicht in jeder Einrichtung separat vorgehalten werden. Daher wird das Angebot sehr gerne angenommen. Ich war von den strahlenden Kinderaugen hellauf begeistert.“, so Franke.

Bei jedem Halt wurde das Team der Fahrbibliothek auf die finanzielle Situation angesprochen. „Die Menschen sorgen sich verständlicherweise und zu Recht. Die Fahrbibliothek ist mit ca. 110.00 Euro pro Jahr finanziert, jedoch stehen in diesem Jahr nur 90.000 Euro zu Verfügung. Der Bus, der genau so alt ist, wie Christian Franke (19), darf nach dieser Rechnung jedoch keine größeren Mängel bekommen.

„Die Stadt Salzwedel und der Landkreis müssen sich langfristig auf die Finanzierung einigen, damit diese wichtige Arbeit weitergehen kann. Bisher wäre in diesem Jahr sonst im Oktober Schluss für dieses Jahr.
In vielen Landgemeinden kommt der Bäcker, der Fleischer und die sozialen Dienste in die Orte. Die Menschen werden, bedingt durch den demographischen Wandel, in Zukunft verstärkt auf diese Dienste zurückgreifen wollen und müssen. Umso wichtiger ist es, dass auch die Kultur den Weg ins Dorf findet, denn die Städte sind besonders für viele ältere Menschen zu weit entfernt, um viele Erledigungen zu verrichten. Aber auch der arbeitende Bevölkerungsanteil wird nach der Arbeit nicht noch in die Stadt zu Bibliothek fahren, nicht zuletzt, weil diese am Abend bereits geschlossen hat. Die Fahrbibliothek hingegen fährt auch am Abend über die Orte.“, erklärt Franke.

Bisher hat sich außer Lutz Franke, der drei Stationen mitgefahren ist, die Möglichkeit die Fahrbibliothek zu begleiten. Dazu meint Christian Franke: „Es ist mehr als schade, dass die kommunalpolitisch Verantwortlichen im Blindflug über dieses wichtige Projekt entscheiden und die Bürgermeister der südlichen Altmark, um ihre Bibliotheken zu retten, gegen dieses Projekt stehen. Wir brauchen aber ein tragfähiges Konzept, dass möglichst allen Literaturinteressierten in Stadt und Land die Möglichkeit der Teilhabe bietet.“ Es wurde sehr positiv aufgenommen, dass Christian Franke sich ein eigenes Bild gemacht hat. Sätze wie „Das vergessen wir den Grünen nicht“ vielen.

„Eine Fahrbibliothek leistet zum einen den Ausgleich zwischen den kulturellen Möglichkeiten und Angeboten von Stadt und Ortschaften und zum anderen den Zugang zu Wissen und Literatur für Familien mit geringem Einkommen, also einen Ausgleich zwischen arm und reich.“, legt Franke dar.

Abschließend erklärt Christian Franke: „Es wirkt skurril, wenn besonders von älteren weniger internetaffinen Entscheidungsträgern das Argument genannt wird, es gäbe durch das Internet keinen Bedarf an Bibliotheken mehr. Diese Menschen haben noch nicht verstanden, dass das Internet nicht dazu ausgelegt ist, die für die Arbeitswelt wichtige Kompetenz des verstehenden Lesens längerer komplexer Texte, zu schulen. Diese Kompetenz ist aber besonders für junge Menschen auf dem Weg in die Ausbildung oder in das Studium essentiell. Hätte ich früher mehr gelesen, würde ich in meinem Politik- und Philosophie-Studium heute Literatur schneller bearbeiten können, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“

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