„Ich war nie der Draufgänger“

Kein gewöhnlicher Praktikant

Die Landtagswahl liegt mittlerweile einige Monate zurück, auch die Schulzeit ist nun vorbei. Christian Franke pendelt derzeit jeden Tag nach Magdeburg und macht bei der Landesgeschäftsstelle der Grünen ein Praktikum. „Öffentlichkeitsarbeit, Presseschau – dafür reicht in der Sommerpause ein Praktikant“, umschreibt der Salzwedeler seine Aufgaben.

Ein normaler Praktikant ist er aber eigentlich nicht. „Stimmt“, sagt Christian Franke. Nächstes Jahr will er für den Landesvorstand kandidieren. Und im Herbst beginnt er ein Studium in Halle – natürlich Politik. Und Philosophie.

Etwas leisten, um ernst genommen zu werden

Kandidat einer Partei für eine Landtagswahl wird niemand im Schlaf. Bei Christian Franke begann das Interesse für das Geschehen im Land früh. „Ich habe viele Nachrichtensendungen geschaut“, erinnert sich der mittlerweile 19-Jährige. „Ich war nie der Draufgänger“, fügt er an und meint damit auch die trivialeren Interessen, die viele seiner Altersgenossen in jungen Jahren haben.

Doch das ist nur ein Aspekt. „Ich kann nicht nichts tun“, erklärt Christian Franke seinen inneren Antrieb. So bildete sich ein Lebensmotto heraus: „Um ernst genommen zu werden, muss man etwas leisten.“

Aktiv in vielen Gremien

Kommunikation mit Gleichgesinnten, Arbeit in Fachgruppen und das Aufbauen von sozialen Netzwerken – was zum Handwerk jedes Politikers gehört, verfolgte Christian Franke bereits als Jugendlicher. Er beteiligte sich seit 2008 in verschiedenen Gremien: Schülervertreter am Jahn-Gymnasium, Kreisschülersprecher, Landesschülerrat, Landesschulbeirat und Jugendstadtrat.

„Das war eine gute Schule. Mir hat das Arbeiten in politischen Strukturen gefallen“, bilanziert der 19-Jährige seine Zeit im Jugendparlament der Hansestadt. Dessen Vorsitz gibt er allerdings studienbedingt im September ab.

Warum Grün?

Mit diesem Lebenslauf ist es wenig verwunderlich, dass Christian Franke irgendwann für eine Partei aktiv wurde. „Die Linke ist mir zu populistisch, mit der CDU teile ich nicht die Werte einer christlich-abendländischen Kultur und mit den Inhalten der FDP kann ich nichts anfangen“, erklärt er seine Wahl für die Jugendorganisation der Grünen. Außerdem gebe es dort Strukturen, die für junge Leute nicht so leicht durchlässig seien.

Mit den Grünen Martin Schulz und Undine Kurth ging er auf Reisen, besuchte Mitgliederversammlungen. Er wurde Schatzmeister der Jungen Grünen in Sachsen-Anhalt und gewann neue Mitglieder für den Kreisverband.

Idee zur Kandidatur kam während einer Autofahrt

Als die Landtagswahl näher rückte, fehlt den Grünen im Wahlkreis1 ein Direktkandidat. „Da der Kreisvorstand in ein Auto passt, wurde während einer Fahrt darüber diskutiert“, rekapituliert Christian Franke den Moment. „Da habe ich gesagt: Ich machs.“ Später war es dann offiziell.

Erst Schule, dann Nachhilfe, dann Wahlkampf

In der Schule war es für den Landtagswahlkandidaten nicht einfach. Bereits vorher hatte es immer wieder Debatten mit dem Sozialkundelehrer gegeben. Christian Franke führte Diskussionen gerne in einem größeren Rahmen, als sich das der Lehrer wünschte.

„Bei den Lehrern war ich Gesprächsthema“, weiß der Grüne. „Wenn niemand anderes anwesend war, hat mir mancher Lehrer auf der Treppe gesagt, ich solle mich zurückhalten.“

Seine Mitschüler reagierten auf ihn gelassener, glaubt Christian Franke. Manchmal, so gibt er zu, sei es für ihn schwer gewesen, auf dem Teppich zu bleiben. „Weil die anderen nicht die Erfahrungen eines Wahlkampfes erlebt haben.“

„Ich musste Fakten pauken“

Dieser Wahlkampf war etwas komplett Neues für Christian Franke. „Ich musste Inhalte und Fakten pauken“, erinnert er sich. Denn von den anderen Direktkandidaten wollte er ernst genommen werden. „Und das wurde ich auch“, ist sich der 19-Jährige sicher.

Den eigentlichen Wahltag verbrachte er in Magdeburg. Als er sein Ergebnis von 7,7 Prozent erfuhr, nahm ihn Grünen-Chefin Claudia Roth in die Arme. „Ein sehr, sehr schöner Abend“, resümiert Christian Franke.

Und was wäre passiert, hätte er einen Landtagssitz gewonnen? „Bei einem Einzug hätte ich erst das Abi fertig gemacht und mich dann voll auf die Parlamentsarbeit konzentriert.“

Landtagswahl 2016

Die nächsten Landtagswahlen stehen 2016 an. „Vom Gefühl her ja“, so der Salzwedeler auf die Frage, ob er nochmal kandidieren würde. Der Altmark will er treu bleiben.

Von Jens Heymann, Altmark Zeitung Redaktion Salzwedel

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