Insel: Nazis und Inselaner demonstrieren gemeinsam und erwähnen mich in ihren Reden

Am heutigen Freitag wurde wieder in Insel demonstriert, um Menschen zu vertreiben. Diesmal wurde auch über mich gesprochen. Dazu nun ein paar Gedanken: 

Die heutigen Ereignisse in Insel möchte ich nicht unkommentiert lassen.

Heute haben in Insel ca. 40 Rechte gemeinsam mit ungefähr 20 Dorfbewohnern, wobei diese mittlerweile ebenfalls dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, ihren braunen und menschenverachtenden Ungeist verbreitet.

Hintergrund für die Proteste ist der Zuzug zweier ehemaliger Sexualstraftäter in das Dorf. Diese sind nach verbüßter Haft und unzulässiger Sicherungsverwahrung wieder in die Freiheit entlassen worden. Von ihnen geht laut Gutachten keine Gefahr mehr aus. Ich selbst habe beide Herren als sehr reuige Menschen erlebt, die sich ihrer Taten bewusst sind.

Sie haben, wie jeder Mensch, unveräußerliche Rechte, so u.a. das Recht ihren Wohnort frei zu wählen. Von diesem Recht haben die beiden aus Baden-Würtemberg stammenden Männer in Insel vor nun mehr über einem Jahr gebrauch gemacht.

In Insel aber sieht man das mit den unveräußerlichen Rechten etwas anders. Ein kleiner Teil der Dorfbewohner protestiert immer wieder gegen die beiden Männer. Sie wollen sie vertreiben und so das Problem lösen, wie sie sagen. Eine Art der Problemlösung, wie sie von 1933 bis 1945 stattfand, scheint – an der Unterstützung für die Rechten ablesbar – bei einigen Dorfbewohnern ebenfalls Anklang zu finden.

Für mich haben die heutigen Proteste eine neue Qualität bekommen. Der Schulterschluss zwischen Rechten von außerhalb des Dorfes und extremistischen Dorfbewohnern war noch nie so eindeutig erkennbar. Bei der Demonstration wurden Reden abgestimmt und es wurde sich jeweils für die Anwesenheit und die Reden bedankt. Da danken bekannte Nazis Einheimischen und Einwohner wollen die Nazi-Demo am Samstag unterstützen.

Meine Bundestagskandidatur war den Protestierenden heute eine Erwähnung in ihren Wortbeiträgen wert. Mit Sätzen wie „Wir wollen Sie nicht als unseren Volksvertreter! “ – Ja Leute, ich will euch auch nicht als mein Volk.  – oder „Der Franke ist doch ein unglaublicher Selbstdarsteller!“ wurde ich bedacht.

Eigentlich zeigt es nur, dass ich alles richtig gemacht habe. Von diesen Leuten erwähnt zu werden zeigt, dass ich gehört werde, und dass meine Meinung bekannt ist. So soll es schließlich auch sein.

Wir müssen unsere Demokratie Tag für Tag verteidigen, auch wenn wir dabei manchmal weiche Knie haben, oder Bauchschmerzen. Beides hatte ich heute übrigens nicht. Denn ganz im Gegenteil dazu machte mir eine ältere Frau aus dem Dorf kurz vor dem Protest Mut, wünschte mir viel Kraft für den Kampf um unveräußerliche Rechte und meine Kandidatur. Das gab mir sehr viel Kraft und Selbstbewusstsein auch in Zukunft offen Gesicht gegen Rechts zu zeigen.

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