Jugendstadtrat diskutierte mit Politikern über das umstrittene Kohlendioxid-Projekt

(Artikel aus der Salzwedeler Volksstimme vom 20. Februar 2010)

Das Thema polarisiert. Das zeigte sich während der vierten Sitzung des Jugendstadtrates. Auf der Tagesordnung stand das CO -Projekt von GDF SUEZ in der Altmark. Ein in der Region umstrittenes Forschungsvorhaben. Wird die Altmark eine Kohlendioxid-Müllkippe oder wird sie ein innovativer Standort, der junge Menschen hält ? Diese Frage wird der Jugendstadtrat in den kommenden Wochen diskutieren und beantworten. Dem Stadtrat wäre er damit einen großen Schritt voraus.

Salzwedel. Kann mit Kohlendioxid die Erdgasausbeute in der Altmark erhöht werden ? Seit Sommer 2008 beschäftigt sich der Forschungsverbund “ Clean “ mit 16 beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen mit dieser Frage. Bislang nur theoretisch. Das geplante Verpressen von bis zu 100 000 Tonnen Kohlendioxid in die Erdgaslagerstätte bei Mahlsdorf ist noch nicht genehmigt. Dr. Michael Hübner von Geoforschungszentrum Postdam stellte am Donnerstag während der Sitzung des Jugendstadtrates “ Clean “ vor. Er betonte, dass es eine “ ergebnisoffene Forschung “ sei. “ Wenn es nicht geht, werden wir es klar und deutlich sagen „, so Hübner. Sollte es funktionieren, könnte GDF SUEZ unter Umständen noch einige Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern und gleichzeitig Millionen Tonnen des als Klimakiller verrufenen CO² entsorgen.

Doch über diese Brücke wollten am Donnerstag nicht alle gehen. Die Vorfälle um das Atommüllendlager Asse hat den Glauben an die Forschung erschüttert. Das machte unter anderen Lutz Schulze von der Freien Liste “ Für Salzwedel “ deutlich. Immerhin soll das Kohlendioxid langfristig, “ 10 000 Jahre und länger „, so Hübner, über 3000 Meter tief im altmärkischen Untergrund bleiben. Trotz der rund 600 Bohrungen, die in den vergangenen Jahrzehnten abgeteuft wurden.

Für die grüne Bundestagsabgeordnete Undine Kurth aus Quedlinburg sei gegen Forschung nichts einzuwenden. Doch sie bezweifle, dass mit der CCS-Technologie ( siehe unten stehenden Beitrag ) eine für den Klimaschutz anwendungsfähige Technologie bis zum Jahr 2020 zur Verfügung stehe. Rückendeckung erhielt sie von Uwe Witt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsfraktion der Linken. “ CCS ist der Türöffner für eine neue Kohlekraftwerks-Generation „, sagte er. Frank Leskien ( FDP ) mahnte : “ Wir sollten in der Altmark nicht forschungsfeindlich sein. “ Das Vorhaben von GDF SUEZ könnte ein Standbein für die Altmark sein und langfristig Wertschöpfung in der Region sichern. Den Standpunkt der Landesregierung stellte Jürgen Stadelmann, Staatssekretär im Umweltministerium, dar : Sobald ein nationales CCS-Gesetz auf dem Tisch liegt, werde das Land den Antrag von GDF SUEZ prüfen und darüber entscheiden. Auch mit Hilfe von externen Gutachtern. Stadelmann machte deutlich, dass er persönlich dem Vorhaben aufgeschlossen gegenübersteht. Nicht nur, weil “ so hochbezahlte Arbeitsplätze “ in der Region erhalten bleiben. Im Erdgasfeld könnte das bei der Biogasherstellung anfallende CO verpresst werden.

“ Mein Ziel ist es, dass die Altmark die erste CO -freie Region Europas wird. “ Bei Arne Beckmann von der Fraktion Salzwedel Land zog das Arbeitsplatz-Argument nicht. “ Nur wenn wir CO -Forschung und Anlagenindustrie in die Altmark bekommen, wird es neue Arbeitsplätze geben „, meinte er.

Viele Wenn und Aber, die der Jugendstadtrat hörte. Einige, wie Franziska Brzezicha, ließen erkennen, dass sie für das Pilotprojekt sind. In den kommenden Wochen will der Jugendstadtrat einen Standpunkt beziehen. Er wäre damit weiter als der Stadtrat, der einen Grundsatzbeschluss zum Pilotprojekt bislang nicht gefasst hat.

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokalausgaben/salzwedel/?em_cnt=1640288&

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