Jugendstadtrat nicht beschlussfähig – „Wer nicht kommt, soll sich endgültig abmelden“

Jugendstadtrat: Nur neun von 43 kamen / „Nicht akzeptabel“

SALZWEDEL (mei). Der Jugendstadtrat denkt über Regularien nach, wie er auch ohne die Anwesenheit der Mehrheit beschlussfähig sein kann. Gestern kamen nur neun der insgesamt 43 Jugendlichen in den Ratssaal. Die meisten hatten sich nicht einmal entschuldigt.

„Traurig“, blickte Vorsitzender Christian Franke gestern am späten Nachmittag in die lichten Reihen des Ratssaales. Acht Jahn-Gymnasiasten und ein Azubi waren gekommen – 34 Jugendstadträte glänzten durch Abwesenheit. „Wir sind nicht beschlussfähig“, stellte Franke knapp fest. So konnte das Gremium nicht darüber befinden, ob sich der Stadtrat zum Thema CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage, Kohlendioxidabscheidung und Verpressung) positionieren soll. In Sachen Einbeziehung von Migranten kam man ein Stück weiter: In zwei Wochen will man die Migranten bei der Awo besuchen (Mandy Klatt: „Da ist die Atmosphäre nicht so verklemmt und es redet sich lockerer“) und abklopfen, was ihnen unter den Nägeln brennt. Zum 6. Mai sollen die Migranten dann zur Wiederholungssitzung eingeladen werden (Franziska Brzezicha: „Es ist wichtig, erst einmal ins Gespräch zu kommen“).

Zum Thema Vernetzung mit Jugendinitiativen konnte Franke nur berichten, dass die Halberstädter kurzfristig abgesagt hätten, aber gern kommen wollen, und dass er eine Einladung zu einem Bildungsforum in die Vorharzstadt habe. Für Felixstowe hat der Englisch-Kurs der Jahn-Schule Briefe geschrieben, aus denen sich Brieffreundschaften entwickeln sollen, um letztlich Jugendliche zu vernetzen.

Nach einer Viertelstunde war die offizielle Tagesordnung abgehandelt. Stadträte waren nicht präsent, neben der Maxdorfer Familie Zeißig kamen als Gäste lediglich noch Wienhold Weber und der Lehrer für Sozialkunde und Wirtschaftslehre, Ulf Bohlmann.

Der Frust über die dünne Besetzung war den Jugendlichen anzumerken. „Wer nicht kommt, soll sich endgültig abmelden“, hieß es, aber so einfach ist das nicht. Immerhin ist festgelegt, dass der Jugendstadtrat immer für ein Jahr – vom 1. August bis 31. Juli – arbeitet. „Das mit dem Abmelden halte ich nur für den zwölften Jahrgang für akzeptabel. Da stehen Prüfungen an. Ansonsten müssen die Schüler diese Periode auch durchziehen“, meinte Lehrer Ulf Bohlmann.

Nun will man nach Lösungen suchen, wie der Jugendstadtrat auch ohne Mehrheit beschlussfähig sein kann.

Der Artikel entstammt der Altmark-Zeitung vom 16. April 2010

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