Kommentar zu den Protesten gegen den Nazi-Aufmarsch in Stendal

„Mit vielfältigem und bunten Protest von Antifa bis Reden auf dem Marktplatz und von jung bis älter hat sich Stendal gegen den Nazi-Aufmarsch und den braunen Ungeist der Rechten und einiger Inselaner gewehrt.
Der Gegenaktionen zur NPD-Demonstration haben aber auch gezeigt, dass wir in der Altmark langfristig und kontinuierlich arbeitende Bündnisse gegen Rechts brachen. Hätten alle Bürger, die sich auf dem Marktplatz versammelten, zuvor die Strecke der Nazis gemeinsam Hand in Hand versperrt, so hätte sich der braune Ungeist seinen Weg durch die Stadt nicht bahnen können.
So kam es aber nur zu vereinzelten Sitzblockaden, die den Beteiligten umso mehr Mut abverlangt haben. Wir müssen unsere Demokratie Tag für Tag verteidigen, auch wenn wir manchmal weiche Knie und etwas Bauchschmerzen haben. Sitzblockaden, als Mittel ein Fortkommen der Nazis zu verhindern, können durch die Polizei rechtlich geahndet werden. Wenn wir in unserem Kampf für diese Demokratie und für unveräußerliche Rechte nichts wagen, können wir nichts gewinnen, aber sehr viel verlieren.
Ich fand es schade, dass nur wenige Stendaler Bürger auf den Straßen waren, um zu protestieren. Um so stolzer bin ich auf die jungen Menschen aus der ganzen Altmark und der ganzen Republik, die auch mit zivilem Ungehorsam durch Sitzblockaden und andere Aktionen, für Freiheit und Gerechtigkeit und gegen eine menschenverachtende Ideologie eingesetzt haben. Solange solche Aktionen friedlich bleiben, unterstütze ich diese voll und ganz.
Es ist eine Schande, dass der Populist Alexander von Bismarck und andere auf dem Marktplatz den Eindruck erwecken konnten unbescholtener Bürger zu sein. Unsere Gesellschaft schließt niemanden aus, daher richtet sich meine Kritik nicht gegen die Anwesenheit jener, doch dass die Redner Alexander von Bismarck und Nico Stiller nicht mit einem einzigen Wort der Rüge und Kritik bedacht haben, ist in meinen Augen ein großer Fehler gewesen. Wer Teil des Protestes gegen Grundrechte ist oder diese Proteste, als amtierender Ortsbürgermeister nicht einfängt oder zur Vermittlung beiträgt, hat nicht nur das Prinzip der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht verstanden, sondern dieser auch einen Bärendienst erwiesen.“
Bildquelle: az-online.de

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