Lasst uns endlich Blut spenden!

BlutspendeDer größte Akteur bei den Blutspenden ist das Rote Kreuz. Zu seinen landesweit fast 2600 Spendeterminen kamen 2012 insgesamt 127 700 Menschen. Davon waren rund 10 770 Erstspender. Das waren 6700 Spendewillige weniger als noch ein Jahr zuvor, die Zahl der Erstspender ging um rund fast 1260 zurück. Trotz dieser Zahlen sind immer noch Gruppen, wie männliche Homo- und Bisexuelle, von der Blutspende ausgeschlossen.

Der Leiter des Blutspendedienstes an der Universitätsklinik Halle, Julian Hering, kann steigende Blutspendezahlen melden – allerdings nur, weil die Werbung verstärkt wurde und es mehr Spendetermine gibt. Die Zahl der Blutspenden sei von 17 000 im Jahr 2011 auf 18 700 im vergangenen Jahr gestiegen.

In der Magdeburger Universitäts-Blutbank gehen die Spendezahlen zurück. Wie deren Blutbank-Leiter Marcel Heim sagte, gab es an der Uniklinik 2012 rund 14 000 Spenden, ein Jahr zuvor seien es noch 1000 mehr gewesen. Die Zahl der Erstspender ging von 1670 auf rund 1350 zurück.

In Deutschland wird die Zulassung zur Blutspende über das Transfusionsgesetz und dessen Ausführungsbestimmungen, die Richtlinien für Hämotherapie geregelt. Die Grundlagen dafür werden vom Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer erstellt.

Grundsätzlich ausgeschlossen ist die Blutspende für homo- und bisexuelle Männer, also Männer die Sex mit Männern haben. Das Paul-Ehrlich-Institut verteidigt seine Richtlinien: „Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten wie HIV bergen“, dürfen nicht Blut spenden. Dazu zählen nicht nur Schwule, sondern auch Heterosexuelle „mit sexuellem Risikoverhalten“ sowie Prostituierte beiderlei Geschlechts. Bevor man Blut spendet, muss man einen Fragebogen ausfüllen, in dem auch nach dem Sexualverhalten gefragt wird.

Aber was sagt meine sexuelle Orientierung über mein Sexualverhalten? Nichts!

Hier wird auch im Jahr 2013 noch stigmatisiert und Klischees und Zerrbilder über Homosexuelle werden verbreitet. Die Hälfte aller homosexueller Männer lebt in einer festen Partnerschaft, über 70 Prozent der Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern haben ausschließlich Safer Sex.

Warum kann man also nicht nur die ausschließen, die häufig wechselnde Sexualpartner haben? Warum muss man mich unter Generalverdacht stellen, nur weil ich schwul bin?

Die HIV-Infektionsrate bei Männern die Sex mit Männern haben, liegt höher, als bei Männern, die Sex mit Frauen haben, das rechtfertigt in meinen Augen jedoch keinen Ausschluss aller homo- und bisexueller Männer. Hier findet Diskriminierung statt.

Was ist die Folge dieser Regelung? Etliche schwule Deutsche gehen unter Angabe falscher Auskünfte Blut spenden. Das kann nicht Sinn der Sache sein.

Dass andere Länder das Risiko, das von schwulen Blutspendern ausgeht, anders einschätzen, zeigt das Beispiel Spaniens: Als das Madrider Militärkrankenhaus Homo- und Bisexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung ablehnte, protestierten der spanische Blutspenderverband und viele Schwulenverbände. Daraufhin lenke das Verteidigungsministerium im Jahr 2003 ein: Der Ausschluss von Bi- und Homosexuellen sei „altmodisch“, „falsch“ und „überholt“.

Portugal hat den Bann gegen Schwule im März dieses Jahres aufgehoben. Und auch in den USA sollen Homosexuelle noch 2006 offiziell Blut spenden dürfen. Sobald die Verordnung in Kraft tritt, entscheidet das tatsächliche Risikoverhalten über die Lizenz zum Spenden – nicht die sexuelle Orientierung.

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