Mit 18 in den Landtag

Jung, engagiert und schwul. Der 18-jährige Christian Franke aus Salzwedel kandidiert für die Grünen bei der kommenden Landtagswahl im März in Sachsen-Anhalt. dbna hat mit ihm unter anderem über sein Engagement, Sonderrollen und Politikverdrossenheit in der Gesellschaft gesprochen.

Christian, wirst du als Jungspund in der Politik überhaupt ernst genommen?

Ja, werde ich. Ich engagiere mich ja auch schon, seit dem ich 15 Jahre alt bin und weiß, wie ich mich auf höherem Parkett zu bewegen habe. Mit der politischen Konkurrenz führe ich reguläre fachbezogene Diskussionen. Was hinter meinem Rücken passiert, weiß ich aber natürlich nicht.

Sind die Grünen nicht breit genug aufgestellt, dass sie einen 18-jährigen Schüler zur Wahl aufstellen müssen?
Bei uns wird grundsätzlich jeder ernst genommen, egal wie alt er oder sie ist. In meinem Wahlkreis wohnt beispielsweise auch der Direktor der Berufsschule, der auch bei den Grünen und fachlich sehr qualifiziert ist. Die Partei hat sich aber für mich entschieden. Wir sind also schon breit genug aufgestellt. Es ist auch etwas anderes, wenn du von deiner Partei behütet wirst oder direkt in die große Politik einsteigst. Ich bin ja jetzt auch schon lesben- und schwulenpolitischer Sprecher meines Landesverbandes. Außerdem wächst man an seinen Aufgaben.

Wie haben denn deine Eltern auf deine Pläne reagiert, für den Landtag zu kandidieren?
Sie haben mir schon klar gemacht, dass die Schule für mich an erster Stelle stehen sollte. Aber insgesamt habe ich ein lockeres Verhältnis zu ihnen. Sie stärken mir den Rücken und freuen sich, wenn ich in der Zeitung stehe. Mit meinem Schwulsein haben sie ja auch keine Probleme.

Wie bekommst du denn Schule und politisches Engagement unter einen Hut?
Politik ist Wochenendsache, das geht also zum großen Teil in meine Freizeit. Andernfalls bekomme ich Freistellungen, wenn ich in meiner Eigenschaft als Landesschülerrat in der Woche unterwegs bin.  Man muss aber schon sagen, dass ich wenig Zeit für andere Dinge habe. Da muss man lernen, zurück zu stecken und nein zu sagen, um auch mal einen Samstag mit DVD-Abend machen zu kšnnen. Das brauche ich auch, schließlich steh ich oft unter Strom.

Hast du auf Grund deines Alters eine Sonderrolle im politischen Tagesgeschehen?
Ich würde schon sagen, dass ich da etwas aus der Masse heraus steche. Es gibt auch ein recht großes Medieninteresse. Es wäre aber keine Sonderrolle, wenn man mehr auf die Jugend hören würde. Viele Entscheidungen betreffen ja vor allem die Jugend. Insofern habe ich schon eine Sonderrolle, die ich aber auch gerne annehme. Es macht Spaß, der Jugend eine Stimme zu geben.

Warum machst du aktiv Politik?
Ich habe gemerkt, dass es nur schwarz und weiß gibt. Entweder man entscheidet mit oder man lässt über sich entscheiden. Letzteres wollte ich nicht. Ich möchte lieber mich und meine Ideen einbringen. Es gab aber nie einen entscheidenden Auslöser.

Was ist deine Zielsetzung für die Zukunft?
Ich will mich immer weiter und ohne Pause politisch engagieren. Auf welcher Ebene ist egal. Es reizt mich einfach, weil es so viele Dinge gibt, die für mich nicht stimmen. Ob das in der Bildung ist, im Sozialen oder Wirtschaft und Umwelt. Man braucht sich ja nur mal anzuschauen, wie es um die Gleichstellung Homosexueller aussieht.

Viele Menschen sind politikverdrossen. Was sagst du Leuten, die Politik nicht wichtig finden?
Wacht endlich auf! Oder besser: Schlaft erst gar nicht ein, denn Politik ist das, was euch immer begegnet. Ob ihr über die Straße geht, in den Urlaub fahrt oder im Internet unterwegs seid, sie ist allgegenwärtig. Nicht zuletzt beeinflusst sie die eigene Lebensplanung, gerade bei Homosexuellen. Wenn ein Schwuler sagt, Politik geht mich nichts an, dann wäre ich unablässig dabei, ihn aufzuklären. Es gibt schließlich so viel zu tun.
Man muss mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht nach dem Motto „hauptsache, meine Wohnung ist sauber und das war’s“. Das kann es nicht sein.

Was wünschst du dir von deiner Generation?
Ich würde mir wünschen, dass sie nicht alles so hin nimmt, wie es ist. Klar ist die Jugend kritisch, aber eher im Stillen. Sie muss nach außen hin kritischer sein, dann lässt sich mehr bewegen. Einer alleine kann da nicht so viel bewegen. Gerade im Bildungsbereich muss die Jugend nicht alles hin nehmen. Die Engagementmüdigkeit muss weg.

Christian, danke für das Gespräch.


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