Mit 22 Jahren ein „Kandidat für alle Fälle“

Die Neuen im Stadtrat vorgestellt: Christian Franke (Grüne) sieht Sachpolitik im Vordergrund 

Er ist der jüngste Stadtrat von Salzwedel, führt gerne leidenschaftliche Dis- kussionen und will, dass die Sachpolitik wieder in den Vordergrund rückt: Christian Franke (22) von den Grünen. Emotiona- le und auf persönlicher Ebene geführte Debatten sollen unterbleiben.

Von Arno Zähringer
Salzwedel. Mit seinen 22 Jahren ist Franke der jüngste Stadtrat. Trotzdem hat er, der bereits als Kandidat für den Landtag und Bundestag in Erscheinung ge- treten ist, konkrete Vorstellun- gen dessen, was sich in Salzwedel ändern muss.

Ein „dringendes Problem“ sei die Verkehrsanbindung. Man habe in der Vergangenheit verschlafen, sich klar für den Ausbau der B 71 auszusprechen. Und der Bau der Autobahn dürfe nicht nur mit Blick auf die Entwicklung der Wirtschaft gesehen werden. Handlungsbedarf sieht der Jung-Stadtrat zudem beim Tourismus. Denn: „Hier liegt kein schlüssiges

Konzept vor.“ So schlägt Fran- ke beispielsweise vor, an ein oder zwei Stellen in der Stadt kostenloses W-Lan anzubieten. Dies würde bereits in Salzwedels italienischer Partnerstadt San Vito Dei Normanni praktiziert. Dies sei wichtig mit Blick auf den Tourismus. Doch noch ein anderes Thema brennt dem Studenten unter den Nägeln. „Der Stadtrat sollte Dienstleister für die Bürger sein.“ Das sei bislang nicht immer so gewesen.

„Es läuft noch zu viel auf der persönlichen Ebene.“

Deshalb möchte er, dass die Sachpolitik wieder in den Vordergrund gerückt wird. „Es läuft zu viel auf der persönlichen Ebene, das muss geändert werden“, sagt Franke. Es sei gut, dass Gerd Schönfeld (Die Linke) zum Stadtratsvorsitzenden gewählt worden sei. Denn Franke verspricht sich von ihm eine neutrale Sitzungsleitung. Die sei wichtig, weil sich mancher Rat zu wichtig nehme.

Vielmehr müsste künftig mehr auf die Inhalte der Ratspolitik, als es zuletzt der Fall gewesen sei, gesetzt werden.

Mit Blick auf die Bürgermeisterwahl im kommenden Februar und die amtierende Sabine Danicke meint Franke: „Ich habe sie schon immer unterstützt und glaube, dass es keine bessere für die Stadt gibt.“ Zu dieser Einschätzung sei er in vielen persönlichen Gesprächen gekommen. Der 22-Jährige will seine Schwerpunkte in den Bereichen Soziales und Bildung, im Betriebsausschuss Kita und dem Finanzausschuss setzen. Wegen seines Alters stehe er sozusagen in der Pflicht, sich mit den Themen Soziales und Bildung auseinanderzusetzen.

Bei seiner ersten Kandidatur um einen Sitz im Salzwedeler Stadtrat konnte Christian Franke, Student der Politik und Philosophie in Halle, 268 Stimmen auf sich vereinen. Das reichte, um für die Grünen gemeinsam mit Martin Schulz in das Gremium einzuziehen. „Es ist eine gute Mischung aus Erfahrung und neuen Ideen“, beschreibt Franke die Zusammenarbeit mit Schulz.

Franke sieht sich selbst nicht als einer, der über die Partei Karriere machen will. „Ich möchte in meinem beruflichen Leben nicht von Wahlen abhängig sein“, macht der Grünen-Politiker deutlich.

Zwar sieht er sich als einen „Kandidat für alle Fälle“, trotzdem möchte er auch Zeit für seine Hobbys haben: Radfahren und Schwimmen. „Weil ich muss, denn ich esse gerne Kuchen“, fügt er lächelnd hinzu.

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